Der genetische Pfotenabdruck oder die Katze vor Gericht
Wer kennt nicht das Szenario aus dem Fernsehen: der Täter wird anhand seines genetischen Fingerabdruckes überführt. Was dort wie selbstverständlich dargestellt wird, ist ein hochkomplizierter Prozess, der auch zusehends in der gerichtlichen Tiermedizin Einzug hält. Insbesondere Katzen sehen sich mehr und mehr mit rechtlichen Streitigkeiten konfrontiert, die jedoch in der Regel von deren Haltern provoziert wurden.
Die Katze und der Mordfall
Im Jahre 1995 wurde erstmals ein Mörder in den USA anhand der molekulargenetischen Analyse von Katzenhaaren überführt. Dieser Kriminalfall dient als Präzedenz für die Möglichkeit, Tatverdächtige anhand des genetischen Profils von Tierhaaren mit Verbrechen in Verbindung zu bringen. Im konkreten Fall wurde bei der Suche nach einer vermissten Frau im Jahre 1994 eine blutbefleckte Lederjacke gefunden. Das menschliche Blut stimmte mit dem Profil der Vermissten überein. Ihr tatverdächtiger Ex-Mann konnte jedoch zunächst nicht mit dem Kleidungsstück in Verbindung gebracht werden. Im Futter der Jacke entdeckte man einige weiße Haare, die als Katzenhaare identifiziert werden konnten. DNA, die man aus einer der Haarwurzeln isoliert hatte, diente als Grundlage zur . Das resultierende genetische Profil wurde mit einem Referenzprofil aus dem Blut von „Snowball“ verglichen, einer weißen Katze, die im Elternhaus des Ehemanns lebte. Es lag 100% Übereinstimmung vor. Die Wahrscheinlichkeit der Existenz einer weiteren Katze mit demselben Profil betrug 1:6,9 x 107. Auf der Basis dieser Beweislage wurde der Ehemann 1997 des für schuldig befunden.
Die Katze und der falsche Welpe
In der Regel beschäftigen sich deutsche Gerichte mit weniger aufregenden Fällen, wenn eine Katze mit im Spiel ist. Meist geht es um Nachkommensstreitigkeiten. Stammt der gekaufte Katzenwelpe tatsächlich von den angegebenen Elterntieren? Oder wurde der Vater als Worldchampion nur angegeben und hatte mit der Zeugung gar nichts zu tun? Sollte dies so sein, handelt es sich um Betrug des Katzenzüchters.
Die Katze und der mysteriöse EierstockEs gibt aber auch den Fall, dass eine bereits kastrierte Katze nochmals kastriert wird und zwei Eierstöcke entnommen werden, die gar nicht mehr hätten da sein dürfen. Hier geht es mehr um die Beweislage des Tierarztes, der dann nachweisen muss, dass es zum einen Eierstöcke waren, die er entnommen hat, und zum anderen diese Eierstöcke auch genau dieser Katze zugeordnet werden können. Hier müssen sowohl die Eierstöcke als auch das Blut der Katze zur DNA-Analyse eingereicht werden.
Die Katze und der DNA-Test
Wie funktioniert so ein Test? Da die genomische DNA im Zellkern zu finden ist, werden ausschließlich Zellen mit Zellkern benötigt. Diese sind im Blut zu finden, in Abstrichen der Backenschleimhaut sowie in den Haarwurzeln. Ausgangspunkt der DNA-Typisierung ist das doppelsträngige, fadenförmige DNA-Molekül. Es ist Träger der vollständigen genetischen Information eines Individuums. Man darf aber nicht den genetischen Fingerabdruck mit dem genetischen Nachweis von Erkrankungen gleichsetzen. Bei der DNA-Analyse werden keine Erkrankungen erkannt oder sonstige Aussagen über das Erbgut getroffen.
Beim genetischen Fingerabdruck analysiert man nicht die für die Vererbung relevanten Abschnitte, sondern Regionen, die bisher für die Wissenschaft keine eindeutige Aufgabe haben. Diese sogenannten Mikrosatelliten, oder auch SSR (Simple
Sequence Repeats) genannt, sind kurze, nicht kodierte DNA-Sequenzen. Die wiederholte Sequenz in einem Mikrosatelliten ist sehr einfach und besteht aus zwei bis sechs Basenpaaren, die zwischen 10- und 100-mal wiederholt werden können. Diese Sequenzwiederholungen der Mikrosatelliten variieren zwischen den einzelnen Tieren so stark, dass sich aus der Kombination von zehn bis 14 dieser Mikrosatelliten-Markern ein individuelles, einzigartiges Muster für jedes Tier, ähnlich eines Strichcodes, ergibt. Dieser Code so individuell, dass man theoretisch ein einzelnes Tier aus 6 Milliarden Tieren identifizieren kann. Da das Genom eines jeden Tieres durch die Kombination der Genome der Elterntiere zustande gekommen ist, müssen die DNA-Profile aus der Längenanalyse der Mikrosatellitenmarker auch eine Kombination aus den DNA-Profilen der Eltern darstellen. Dadurch kann ein sicherer Abstammungsnachweis geführt werden.
Die Katze in der Zucht
Die Zuchtverbände haben in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen, Krankheiten aus den jeweiligen Katzenrassen herauszuhalten oder erkrankte Zuchtlinien zu unterbrechen. Einige Gendefekte lassen sich mittlerweile im Vorfeld der Zucht bestimmen und viele Züchter legen lobenswerterweise großen Wert auf gesunden Nachwuchs. Interessant für den Züchter ist auch, seine Katzen und deren Nachkommen genotypisieren zu lassen. Dies hätte für Ihn den Vorteil, dass er einen unverfälschten Nachweis der Herkunft und Abstammung seiner Zuchtkatzen hat und dies auch jedem Interessenten dokumentieren kann. Für den Interessenten der Katzen ist es zweifelsfrei nachzuvollziehen, wer die Eltern und Großeltern sind. Streitigkeiten über die Herkunft und somit den Preis einer Katze sind häufig und enden meist vor Gericht. Dies würde der Vergangenheit angehören.
Die Katze und die Typisierung
Blutuntersuchungen kosten Geld. Diese Kosten müsste zunächst der Züchter tragen, um dann die Kosten an den Käufer der Katzen zu übertragen. Zurzeit belaufen sich die Ausgaben incl. Tierarzt auf ca. 100 Euro pro Katze. Aus eigenen Erfahrungen geht bei vielen Liebhabern von Rassekatzender Trend weg von der günstigen Rassekatze, hin zur gekennzeichneten, FeLV-, FIV-, coronavirus-, giardien- und endoparasitenfreien Katze, die auch hinsichtlich ihrer Gendefekte untersucht worden ist. Wer als Züchter einen genetischen Fingerabdruck seiner Zuchtkatzen vorweisen kann, zeigt deutlich, dass ihm die Transparenz seiner Zucht wichtig ist. Ob es in Zukunft einen Zuchtverband geben wird, der die o. g. Forderungen durchsetzen möchte ist fraglich. Wünschenswert wäre es allemal.
Dr. Michael Streicher, Fachtierarzt für Kleintiere, Fischbachstrasse 10 a, 61440 Oberursel

Norwegische Waldkatzen aus Oberursel